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Weiterbildungskultur: Wie Betriebe die komplexen Anforderungen der Digitalisierung meistern können

Erfahrungen aus der Sozialpartnerrichtlinie

Aktuelle Studien zeigen, dass Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad überdurchschnittlich weiterbildungsaktiv sind. Auch in technologie- oder wissensintensiven Wirtschaftszweigen mit hoher Investitionsrate werden überdurchschnittlich viele Ressourcen für Weiterbildung bereitgestellt. Beobachtet wird aber auch, dass die Bereitschaft zur Investition in Weiterbildung mit sinkender Betriebsgröße abnimmt. Dabei stellt die Komplexität der digitalisierten Wirtschaft gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) vor zusätzliche Herausforderungen. Welche Geräte sollen angeschafft, welche Software besorgt werden? Wie schnell ändert sich der Stand der Technik? Lohnen sich die Anschaffungen und die Schulungen, die sie erforderlich machen? Gerade in Zeiten dynamischen Wandels, kurzer Innovationszyklen und rascher Entwertung von Wissen sind Investitionen in Weiterbildung aber ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit.

„An laufenden Projekten zur Steigerung betrieblicher Weiterbildungsaktivitäten lässt sich sehr genau ablesen, welche Rahmenbedingungen die Weiterbildungskultur fördern“, konstatiert Gunda Fischer, Projektgruppenleiterin am f-bb. Der Erfolg betrieblicher Weiterbildung hänge wesentlich davon ab, dass Führungskräfte, Personalverantwortliche, Betriebsräte und Beschäftigte kooperieren und Qualifizierung als gemeinsames Ziel etabliert ist. Schon bei der Planung von Weiterbildungsmaßnahmen sollten die Akteure zusammenarbeiten. Dies erhöht die Motivation bei den Beschäftigten und hilft, die Passgenauigkeit der Angebote zu steigern. Als wichtig hat sich auch die Beteiligung von Fach- und Führungskräften und Betriebsräten erwiesen, die als Weiterbildungsmultiplikatoren fungieren. Sie könnten den strukturellen und kulturellen Wandel im Unternehmen vorantreiben und eine wichtige Rolle im betrieblichen Gestaltungsprozess einnehmen.

Dafür sprechen die Erfahrungen aus der Umsetzung der Sozialpartnerrichtlinie des BMAS „Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern“, deren Regiestelle das f-bb in Kooperation mit dem DGB Bildungswerk umsetzt. In der Initiative werden aus Mitteln des ESF und des Bundes seit 2015 rund 120 Projekte gefördert, die auf die Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung und auf die qualifikationsgerechte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt abzielen. Der Fokus liegt auf KMU. Gefördert wird die Entwicklung nachhaltiger Weiterbildungsstrategien und -strukturen in Kooperation von Unternehmen, Weiterbildungsträgern und Sozialpartnern.

„Von Weiterbildung können Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren“, so Fischer. Sie stelle sicher, dass Beschäftigte neue Anforderungen bewältigen können, ob beim Einsatz neuer Technologien oder bei der Gestaltung von Prozessen. „Die Weiterbildungsbeteiligung wird aber nicht automatisch in allen Branchen in Folge der Digitalisierung steigen. Vielmehr müssen die genannten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen Katalysator bilden und ein systematisches Weiterbilden ermöglichen“. Die Digitalisierung verlange tiefgreifende Transformationsprozesse. Sie fordere nicht nur die Betriebe heraus, sich in Richtung einer strukturell verankerten Weiterbildungskultur zu bewegen, sondern auch die externen Weiterbildungsanbieter, die sich zunehmend nachfrageorientiert an den individuellen betrieblichen Bedarfen orientieren müssen.

  Gunda Fischer

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