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Scheitern als Chance

Bei „Fuckup Night“ in Berlin kommen Studienabbrecher zu Wort

Nach zwei abgebrochenen Studiengängen war Christopher Z. klar, dass ihm die Hochschulausbildung zu theoretisch ist. Er stieß zufällig auf ein Angebot, durch welches er in eine duale Ausbildung vermittelt wurde. So wie Christopher geht es vielen Abiturienten, die eher praktisch veranlagt sind. Junge Menschen, die den Studienabbruch vollzogen haben, und solche, die sich gedanklich damit beschäftigten, trafen sich Ende 2018 bei der vom f-bb organisierten „Fuckup Night“. Bei diesem Veranstaltungsformat geht es darum, Misserfolge und Scheitern zu thematisieren und aufzuzeigen, dass sich mit jeder Türe, die sich schließt, eine neue auftut.

Wer scheitert, wird häufig als Versager abgestempelt. Wir teilen lieber Erfolge, statt über Fehler zu sprechen und daraus zu lernen. Mit der Digitalisierung und dem Aufkommen soziale Netzwerke scheint sich diese Tendenz sogar noch verstärkt zu haben. Bei der "Fuckup Night: Studienabbruch" im Rahmen des Projekts „Queraufstieg Berlin – Beratungsnetzwerk Berufsbildung für Studienaussteiger/innen“ wurde der Spieß umgedreht. Studienabbrecher/innen haben ihre Erfahrungen weitergegeben, und es wurde deutlich, dass Karriere und erfüllendes Berufsleben auch ohne Hochschulzeugnis möglich sind. Das gilt insbesondere für die Tech-Branche, wo gescheiterte Studierende sehr erfolgreiche Unternehmen gegründet haben.

In drei Vorträgen wurde den Teilnehmenden von Erfahrungen mit und nach dem Studienausstieg berichtet. Sie erhielten so einen authentischen Einblick, erfuhren, wie sich Herausforderungen meistern lassen und wie man Unsicherheiten überwindet.

Die von den Gründern der Gesellschaft für Fehlerkultur, Professor Ralf Kemmer und Patrick Wagner, moderierten Diskussionen machten deutlich, dass sich junge Menschen häufig von den Erwartungen anderer unter Druck gesetzt fühlen. Nicht wenige der 47 Teilnehmenden, die sich im Coworking Space Unicorn Berlin einfanden, berichteten von entsprechenden Gesprächen mit Verwandten und Freunden. Im Publikum befanden sich Personen, die sich bereits für den Studienabbruch entschieden und einen Ausbildungsberuf ausgewählt hatten, und solche, die seit einiger Zeit mit dem Abbruchgedanken spielen.

„Murmelgruppen“ dienten dem Zweck, den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden zu fördern. Mit dabei waren auch Vertreter verschiedener Beratungsstellen, die als Ansprechpersonen für individuelle Rückfragen zur Verfügung standen.

Bei „Queraufstieg Berlin“ handelt es sich um das landesweite Beratungsnetzwerk Berufsausbildung für Studienaussteiger/innen. Es bietet Orientierung und zeigt Alternativen zum Studium in der beruflichen Bildung auf. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales unterstützt und vom f-bb durchgeführt.

Christopher ist heute als ausgebildeter Immobilienkaufmann im familieneigenen Betrieb tätig und bereut nur eines: sich nicht früher mit der Möglichkeit einer Berufsausbildung beschäftigt zu haben.

Foto: Anna Weise

Sabrina Anastasio

Sascha Gallisch

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