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KI in der Grundbildung?!

Mehrwert für Lernende und Lehrende

„Ich will schraiben lernen das ich di brife die ich bekomme auch zürük schreiben kann.“ Dieses Textbeispiel veranschaulicht die Probleme, mit denen Menschen mit Schreibschwäche zu kämpfen haben. Sie schreiben, wie sie sprechen, und beachten dabei nicht die Regeln der Groß- und Kleinschreibung. Satzzeichen verwenden sie kaum. Aus Scham vermeiden sie vor allem im offiziellen Kontext den Schriftverkehr und haben so Nachteile im Umgang mit Behörden und im Arbeitsleben. KI-Schreibassistenten wie „DeepL Write“ können ihnen dabei helfen, E-Mails an Kolleg*innen, Nachrichten an die Lehrkräfte ihrer Kinder oder die Kündigung eines Abos fehlerfrei zu formulieren. Bei richtiger Nutzung können solche KI-Tools für gering literalisierte Erwachsene zu einer wichtigen Stütze im Alltag werden. Sie werden unabhängiger von Personen aus ihrem Umfeld, die bisher für sie den „Schriftkram“ erledigt haben. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und ermutigt sie, ihre Kompetenzen weiter zu entwickeln.

Betroffene besitzen zwar meist ein Smartphone, nutzen dieses jedoch häufig nur zum Telefonieren und zum Versenden von Sprachnachrichten. Das bedeutet, dass sie erst an die digitale Technik herangeführt werden müssen, um das Angebot an frei zugänglichen Alltags- und Lernhilfen für sich nutzen zu können. Lehrkräfte in Grundbildungskursen begleiten sie dabei. Auf der Lernplattform DIGIalpha erfahren Lehrkräfte, wie sie (digitale) Grundkompetenzen von Lernenden fördern können. Über einen Methodenkoffer mit Filterfunktion erhalten sie Zugang zu Tools und Apps, die kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden können. Unterrichtsleitfäden zeigen ihnen, wie sie solche digitalen Werkzeuge in ihren Unterricht integrieren können. In einem Learning Nugget werden Lehrkräfte dazu angeregt, KI-Schreibassistenten wie "DeepL Write" bei Lernenden zur Korrektur von Texten und zum Üben einzuführen.

Die Nutzung solcher Hilfsmittel in einem geschützten Rahmen kann Hemmschwellen abbauen. Sie bereitet Lernende jedoch nur bedingt auf den Umgang mit textgenerierenden KI‑Systemen wie ChatGPT vor. Denn zum reflektierten Einsatz von Chatbots auf Basis künstlicher Intelligenz gehört auch das Wissen um deren Grenzen und Risiken. KI‑Antworten können fehlerhaft sein, selbst wenn sie sprachlich einwandfrei formuliert sind. Dies zu erkennen, ist insbesondere für gering literalisierte Erwachsene eine Herausforderung. Denn Personen ohne kritische Lese- und Schreibkompetenz können nur schwer mit den Anforderungen des Datenschutzes, stereotypen Verzerrungen und Falschmeldungen umgehen, die mit der Nutzung von textgenerierender KI einhergehen. Umso wichtiger ist es deshalb, einen zielgerichteten Umgang mit KI in Grundbildungsangebote zu integrieren. Die Lernenden sollen aber digitale Medien nicht nur zum Ausgleich von Grundbildungsdefiziten nutzen, sondern durch den Gebrauch solcher Hilfsmittel gleichzeitig ihre (digitale) Grundkompetenzen ausbauen. Dies gelingt durch eine grundbildungssensible Lernbegleitung, die darauf ausgelegt ist, die Selbstwirksamkeitserwartung der Lernenden zu stärken.

Für Kursleitungen und Lernbegleitende selbst kann generative KI eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag sein. Dabei ersetzt sie nicht die pädagogische Erfahrung, sondern ist ein praktisches Werkzeug zur Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung. KI-Systeme können dabei helfen, Zeit zu sparen, Materialien passgenauer aufzubereiten und Lernangebote besser an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen. Wie das funktioniert, zeigt der TAXI-Leitfaden (kurz für: Trainings-Ansprechpartner*in + Innovation). Die im Rahmen des Projekts „AoG-plus-TQ“ entwickelte Handreichung mit einer umfangreichen Materialsammlung unterstützt pädagogische Fachkräfte dabei, Lernende gezielt zu fördern, bestehende Hürden abzubauen und auch jene zu erreichen, deren Potenziale bislang ungenutzt bleiben. Der Ansatz ist in verschiedene Maßnahmenformate integrierbar. Er wurde entwickelt, um für Menschen mit Grundbildungsbedarf in Zeiten einer sich wandelnden Arbeitswelt den Grundbildungspfad bis zur beruflichen (Teil-)Qualifizierung (TQ) zu ebenen.

Fazit:

Der Einsatz von KI in der Grundbildung bietet einen Mehrwert für Lernende und Lehrende. Für Lernende wirkt sie einerseits als Lern- und Alltagshilfe und fördert andererseits AI-Literacy. Lehrkräfte werden vor allem bei der Unterrichtsvorbereitung entlastet. Lehr-/Lernmaterialien zur (digitalen) Grundbildung aus dem Projekt „DIGIalpha“ sowie der Ansatz der grundbildungssensiblen Lernbegleitung „TAXI“ aus dem Projekt „AoG-plus-TQ“ helfen der Bildungspraxis dabei, die Potenziale von KI für die Grundbildung zu erschließen.

Mehr Infos

Projekt „DIGIalpha“ (Lernen lernen – digital und literal (DIGIalpha)

Im Projekt „DIGIalpha“ hat das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg die gleichnamige Lernplattform DIGIalpha entwickelt. Hier stehen geeignete Lehr- und Lernmaterialien für eine integrierte Förderung von Schriftsprache und digitalen Kompetenzen bereit. Lehrkräfte erfahren, wie sie digitale Medien verstärkt im Unterricht einsetzen und Lernende so zum Selbstlernen anregen können. Lernende erfahren, wie sie Lern- und Alltagshelfer verantwortungsvoll nutzen können (vgl. www.digialpha.de).

Projekt „AoG-plus-TQ“ (Konzertierte Kommunikations- und Vertriebsstrategie für innovative Maßnahmenformen: Grundbildungspfad zur beruflichen (Teil-)Qualifizierung Arbeitsloser und Beschäftigter (AoG-plus-TQ)

Das Projekt „AoG-plus-TQ“ wird im Rahmen der AlphaDekade mit Mitteln des BMBFSFJ unter dem Förderkennzeichen 2107AGBP gefördert. Durchgeführt wird es gemeinsam vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw), den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) München und dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb).

Über die Verbundpartner können alle im Projekt entwickelten (Unterrichts-)Materialien bezogen werden. Perspektivisch sind sie kostenlos online als Open Educational Resources (OER) verfügbar (vgl. https://grundbildung.bbw.de/).