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Berufsbildung im Silicon Wadi

„Digital Israel“ als Vorbild für Deutschland?

In Israel wird der digitale Wandel in der Bildung gezielt vorangetrieben. Davon konnte sich f-bb-Digitalisierungsexperte Dr. Matthias Kohl im Rahmen der Study Tour des „Israel-Programms“ der Nationalen Agentur (NA) Bildung für Europa beim BIBBüberzeugen. Als Teil einer Gruppe von Expertinnen und Experten aus Deutschland und der Schweiz, die sich mit dem digitalen Wandel in der beruflichen Bildung beschäftigen, besuchte er innovative Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Von den Erfahrungen und Lösungen kann sich Deutschland einiges abschauen.

Das Land am Mittelmeer ist bekannt für seine High-Tech-Industrie und die Vielzahl von Start-ups im Digitalbereich. Technischer Fortschritt und Ideenreichtum kennzeichnen auch die berufliche Bildung: Beispiele sind die Entwicklung und Erprobung neuer, digital unterstützter Aus- und Weiterbildungsformate, digitale Prüfungen, deren Ergebnis dem Prüfling innerhalb einer Stunde auf das Handy übermittelt wird, und die Einrichtung nationaler Lernplattformen.

Während in Deutschland die Entwicklung einer zentralen digitalen Weiterbildungsplattform (Milla) kontrovers diskutiert wird, arbeitet Israel mit dem Regierungsprogramm „Digital Israel“ bereits an der Umsetzung flächendeckender digitaler Services für die gesamte Bevölkerung. Ein Schwerpunkt ist dabei die nationale Plattform für lebenslanges Lernen, Campus-IL. Auch die frei zugänglichen Online-Kurse von IsraelX, die das Ministerium für soziale Gleichheit – eine weitere israelische Besonderheit – in Zusammenarbeit mit Hochschulen anbietet, sind Säulen der bildungspolitischen Strategie des Landes.

Die vom Manpower Training and Development Bureau (MEA) des israelischen Arbeitsministeriums (Ministry of Labour and Social Affairs and Social Services) organisierte Delegationsreise verdeutlichte, dass trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen in Israel, Deutschland und der Schweiz vergleichbare Problemlagen bestehen. So wird auch in Israel versucht, die Berufsausbildung attraktiver für Schulabsolventen zu gestalten. Ähnlich wie in Deutschland wird in dem Mittelmeerland diskutiert und erprobt, wie eher arbeitsmarktferne bzw. benachteiligte Zielgruppen, zum Beispiel Beduinen, mit digitalen Angeboten gezielter gefördert werden können.

Der Einsatz digitaler Medien und digitale Prüfungen spielen in diesem Kontext eine große Rolle: Junge israelische Bildungsunternehmen wie Compedia und Methodica zeigen, welche Möglichkeiten der Einsatz solcher Medien und Tools in Bildungskontexten bietet – sei es in der Elektronikerausbildung, wo VR-Brillen das Erlernen des Umgangs mit Gefahrensituationen unterstützen, bei der Ausbildung zum Kranführer im Simulator oder durch die Nutzung von Augmented Reality im Geschichtsunterricht. Wie digitale Medien Eingang in den theoretischen Unterricht und die praktische Ausbildung finden, wurde beim Besuch mehrerer Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen demonstriert.

Im Jahr 2019 feiert die Berufsbildungszusammenarbeit zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland fünfzigjähriges Jubiläum. Das „Israel-Programm“ der NA beim BIBB unterstützt den Wissensaustausch in der Berufsbildung durch Informationsreisen von Bildungsexpertinnen und -experten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und die Durchführung von Auslandspraktika für Auszubildende. Ausführliche Informationen bietet der Blog zur Study Tour unter https://berufsbildungdigital.home.blog/

Foto: NA beim BIBB

  Dr. Matthias Kohl

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