Newsletter 01/2026

InfoForum 01/2026

Newsletter-anmeldung

jetzt anmelden

KI in der Berufsschule: Hilfsmittel statt Abkürzung

Neue Unterstützung für Lernende bei gleichbleibenden fachlichen Anforderungen

Künstliche Intelligenz ist inzwischen fester Bestandteil vieler Berufsschulen. Der modellhafte Einsatz von KI in Berufsschulen knüpft unmittelbar an die von der Kultusministerkonferenz formulierte Strategie zur digitalen Bildung an (vgl. KMK 2017, 2021): Als erforderliche Kompetenzen stehen dort kritisches Denken, Problemlösung, Kommunikation und Selbststeuerung im Zentrum. Besonders bei KI‑gestützten Aufgaben müssen Lernende die Ergebnisse prüfen, begründen und in ihren Arbeitsprozess einordnen. Solche Reflexionsleistungen gelten als Kern einer zeitgemäßen digitalen Bildung (ebd.).

In der Evaluation des Berliner Schulversuchs „Blending4Futures“ hat das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) vier Fokusgruppengespräche mit 60Berufsschüler*innen und Lehrenden an Berliner Berufsschulen u. a. zum Einsatz von KI im Unterricht durchgeführt. Lehrkräfte berichten, dass sie KI‑Tools vor allem dort einsetzen, wo der Arbeitsalltag besonders verdichtet ist, z. B. bei der Vorbereitung des Unterrichts, der Erstellung von Tests oder dem Vereinfachen komplexer Texte. Eine Lehrkraft beschreibt das ganz pragmatisch: Die Arbeit mit KI sei hier „eine absolute Erleichterung“ bei der Vor- und Nachbereitung von Unterricht, auch wenn man die Ergebnisse natürlich kritisch prüfen müsse. Im Unterricht zeigt sich ein differenzierteres Bild. Besonders hilfreich wirkt KI dort, wo Berufsschüler*innen große fachliche Textmengen bewältigen müssen, etwa in technischen Lernfeldern. Allerdings besteht die Herausforderung, dass viele Inhalte der dualen Ausbildung fachlich hochspezialisiert und online kaum gut dokumentiert sind. Gerade im handwerklichen Bereich stoßen Lehrkräfte immer wieder auf falsche oder unpräzise KI‑Antworten. Eine Lehrkraft aus dem Handwerk bringt es auf den Punkt: „Die Fachinhalte werden häufig falsch wiedergegeben.“ Ursächlich hierfür ist die häufig geringe Repräsentation berufspraktischen Wissens im Internet.

Lehrkräfte machen deutlich, dass die Nutzung von KI an klare Regeln und einen verantwortungsvollen Umgang gebunden sein muss: Unreflektiertes Übernehmen gilt als nicht eigenständige Leistung. Vor diesem Hintergrund gewinnen Aufgabenformate an Bedeutung, die das Wissen der Lernenden zu berufsspezifischen Arbeitsprozessen sichtbar machen. Deutlich ist, dass der Einsatz von KI in der Berufsschule eine pädagogische Balanceaufgabe ist: Einerseits eröffnet KI beispielsweise neue Möglichkeiten der individuellen Förderung, etwa zur gezielten Hilfestellung sprachlich schwächerer Auszubildender mittels vereinfachter Texte. Hier kann sie als Unterstützungsinstrument für mehr Chancengleichheit wirken. Andererseits muss Unterricht so gestaltet sein, dass KI nicht an die Stelle der fachlichen Auseinandersetzung tritt. Dieser Anspruch kann bei Lehrenden durchaus zu Unsicherheiten und Mehrarbeit bei der Unterrichtsgestaltung führen.

Die befragten Lehrkräfte richten den Blick verstärkt auf die Qualität des Lernprozesses. Berufsschüler*innen sollen nicht nur Ergebnisse vorlegen, sondern nachvollziehbar erklären können, wie diese entstanden sind und warum sie fachlich überzeugen. In Prüfungen werde zuverlässig deutlich, wo KI reflektiert eingesetzt und wo sich auf „Abkürzungen“ verlassen wurde: Insbesondere in mündlichen Prüfungssituationen werde schnell sichtbar, ob Inhalte tatsächlich verstanden wurden. Vor diesem Hintergrund erlauben einige Lehrkräfte den Einsatz von KI bewusst, weil sich Verständnis und Problemlösefähigkeit nicht automatisieren lassen.

Weil Lernen in der Ausbildung immer an reale Arbeitsprozesse gebunden ist, entstehen in der Berufsschule besonders authentische Situationen, in denen KI sinnvoll genutzt und zugleich kritisch hinterfragt wird. Damit werden die KMK‑Ziele z. B. zur kritischen Reflexion hier bereits praxisnah erprobt und oftmals erfüllt. So entsteht ein Lernort Berufsschule, der digital mitwächst, ohne seine Praxisnähe zu verlieren. KI macht vieles leichter, aber sie macht nichts von dem überflüssig, was in der dualen Ausbildung wirklich zählt: Fachliche Präzision, eigenes Denken und das Lernen am realen Beispiel.

Nadja Lauterbach

Anna Overbeck

Dr. Melanie Baumgarten

Michael Steinbach