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Aufstieg mit digitalen Medien

Neues Weiterbildungsformat weckt Potenziale

Berlin Neukölln, es ist der 19.11.2018, 7 Uhr, als die Kolonnen der Zapf Umzüge AG den Hof verlassen – darunter drei angelernte Mitarbeiter, die mit neuem Selbstbewusstsein starten. Vor Kurzem wurde ihnen ein - in diesem Fall von der IHK - anerkanntes Zertifikat überreicht, das ihre beruflichen Kompetenzen im Bereich der „Abholung und Auslieferung“ bestätigt. Damit steuern sie ihrem Berufsabschluss entgegen. Denn sie haben bereits drei von fünf Zertifikaten erworben, die sie dabei unterstützen, die Externenprüfung zur „Fachkraft für Möbel-, Küchen-, Umzugsservice (FMKU) zu absolvieren.

Möglich wurde dies durch das Projekt „MeWA - Mit digitalen Medien zum Aufstieg durch Abschluss“, welches das f-bb in Kooperation mit der IHK Berlin, der Zapf Umzüge AG und weiteren Betrieben durchgeführt hat. Die Beteiligten entwickelten und erprobten erfolgreich eine betriebliche Weiterbildung mit digitalen Medien auf Basis von Teilqualifikationen – speziell für Personen, die ihr 25stes Lebensjahr überschritten haben und nicht über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen.

Das Neue am MeWA-Ansatz ist, dass zum einen An- und Ungelernte mit digitalen Medien wieder Spaß am Lernen gewinnen und zeigen können, was in ihnen steckt. Zum anderen findet das Lernen direkt vor Ort im Betrieb statt.Die Teilnehmenden haben im Rahmen von MeWA nicht nur Fragen am PC beantwortet, sondern ihr berufliches Können mit Hilfe von Audio-, Foto- und Filmaufnahmen demonstriert und weiterentwickelt. Mit Unterstützung der Ausbilderinnen und Ausbilder und der fachlichen Anleiter haben sie so – größtenteils selbstorganisiert – ihre berufliche Handlungsfähigkeit erweitert. Statt Fachbücher zu wälzen, bearbeiteten sie aus eigenem Antrieb Aufgaben aus und für ihre berufliche Praxis.

Beispiel Arbeitssicherheit: Die drei Zapf-Mitarbeiter simulierten auf dem Betriebsgelände gefährliche Situationen und fotografierten diese, um bildlich festzuhalten, wie die Gefahrenstellen abgesichert aussehen. Unter Verwendung der Fotos wurde ein Plakat gefertigt, das im Betrieb aufgehängt wurde und viel Anerkennung bei den Kolleginnen und Kollegen fand. Motivierend war auch, digitale Lernwerkzeuge und spannende Lernvideos und -spiele zu nutzen.

Die Lernenden haben digitale Medien beruflich und privat zunehmend bewusst und zielgerichtet verwendet. Dabei half, dass sie zuvor in der MeWA-Weiterbildung grundlegendes Medienwissen erworben hatten. Außerdem konnten sie die Lernplattform dazu nutzen, ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre Kenntnisse in klassischen WiSo-Themen (Betriebsorganisation, Umweltschutz, Arbeitsschutz und Arbeitsrecht) zu erweitern.

Diese Form der Weiterbildung war nur durch professionelle Lernprozessbegleitung im Betrieb möglich. Zuvor konnten die Ausbilder/innen und fachlichen Anleiter/innen ihre medienpädagogische Kompetenz in MeWA erweitern. In einer Online-Qualifzierung lernten sie, wann und wie sie digitale Medien in der betrieblichen Weiterbildung einsetzen können – angefangen von technischem Knowhow über Recherche- und Informationskompetenz bis hin zu Wissen über Datenschutz und Urheberrecht. Zum Lehren und Lernen mit Erwachsenen gehört natürlich auch eine veränderte Selbstwahrnehmung: Ausbilder/innen sehen sich dabei weniger als Anleitende, sondern mehr als Begleitende und begegnen Lernenden auf Augenhöhe.

Während die drei Mitarbeiter der Zapf Umzüge AG täglich ihrer Arbeit nachgehen, bereiten sie sich bereits auf den nahenden Abschluss ihrer vierten TQ vor. Die fünfte und letzte TQ werden sie Anfang 2019 absolvieren. Ronald Zobel, Ausbilder der Zapf Umzüge AG, freut sich über die neu gewonnene Lernfreude der drei Kollegen: „Die Jungs sind hochmotiviert und haben die feste Absicht, die Sache bis zum Berufsabschluss zu Ende zu bringen.“ Er hat für die Prüfungsanmeldung 2019 schon alle Unterlagen vorbereitet.

Das Projekt „Mit digitalen Medien zum Aufstieg durch Abschluss (MeWA)“ wurde im Rahmen des Programms „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

  Claudia Ruhland

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