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Weil jedes Talent zählt

Weiterbildungsperspektiven für gering Qualifizierte durch Lernen am Arbeitsplatz eröffnen

Personen ohne anerkannten Berufsabschluss profitieren in besonderer Weise von arbeitsplatznahem und digitalem Lernen. Sie können dadurch ihre Beschäftigungsfähigkeit und ihre Aufstiegschancen verbessern. Wie berufliche Weiterbildung zielgruppengerecht gestaltet werden kann, hat das f-bb im Projekt „Pro-up“ getestet.

Bisher finden nicht formal Qualifizierte nur schwer Zugang zu beruflicher Weiterbildung. Aufgrund enttäuschender Erfahrungen in Schule und Ausbildung haben sie oft Vorbehalte gegenüber konventionellen, seminarförmig organisierten Kursangeboten. Diese wecken bei Lernungewohnten und -entwöhnten meist negative Emotionen und entsprechen nicht ihrem spezifischen Qualifizierungs- und Bildungsbedarf. Wegen ihres eher pragmatischen Zugangs zu Bildung präferiert die Zielgruppe in der Regel informelles, arbeitsplatznahes Lernen.

Mit zunehmendem Fachkräftemangel wachsen auch die Arbeitsmarktchancen dieser Personengruppe. In einer Situation, in der jedes Talent zählt, interessieren sich immer mehr Betriebe für Weiterbildungsmöglichkeiten für gering Qualifizierte. Doch obwohl Lernen am Arbeitsplatz zu den etablierten Lernformen der beruflichen Bildung zählt, muss der Betrieb als Lernort für diese Zielgruppe erst erschlossen werden. Das entscheidende Instrument dafür ist eine professionelle Lernprozessbegleitung. Diese übernimmt neben Lernberatung auch die Förderung (beruflicher) Grundkompetenzen sowie die Unterstützung bei der Organisation eines lernförderlichen Arbeitsumfeldes. Sie sollte auch eine doppelte Wirkung anstreben: einerseits in Richtung der Lernenden, andererseits in Richtung der beteiligten Betriebe. Sie ist also Ansprechpartnerin für beide Seiten und übernimmt zusätzlich vermittelnde Funktionen. Da vor allem kleinere und mittlere Betriebe häufig nicht in der Lage sind, die erforderlichen personellen Ressourcen bereitzustellen, kann die Lernprozessbegleitung von Bildungsdienstleistern übergenommen werden.

Digitale Medien sind ein wichtiges Instrument der Lernprozessbegleitung. Wird der vielfach mit negativen Erwartungen behaftete Präsenzunterricht um technologiebasierten Wissenserwerb ergänzt („Blended Learning“), können die Teilnehmenden ihr Lerntempo individuell bestimmen, was gerade bei heterogenen Zielgruppen hilfreich ist. Angezeigt ist digital unterstütztes Lernen insbesondere dann, wenn die (angestrebte) berufliche Tätigkeit (Grund‑)Kompetenzen im Bereich der „Informations- und Kommunikationstechnologie“ erfordert, was im Hinblick auf die Anforderungen der „Arbeitswelt 4.0“ zunehmend der Fall ist.

Das Projekt „Entwicklung und Erprobung neuartiger Lernformen in Weiterbildungsmaßnahmen für nicht formal Qualifizierte“ (Pro-up) wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ (innovatWB) unter dem Förderkennzeichen 21IAWB089 gefördert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung wissenschaftlich begleitet; durchgeführt wurde es in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit.

 

Bildnachweis: Fotoarchiv der bbw-Gruppe

  Dominique Dauser

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