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Lernen, um zu verändern

f-bb entwickelt Modell für nachhaltige Aus- und Weiterbildung

Wie kann Lernen im Betrieb nachhaltiger werden? Das f-bb hat ein Modell entwickelt, das diese Frage für die Aus- und Weiterbildung sowohl in pädagogisch-didaktischer als auch in organisationaler Hinsicht beantworten soll. Es stellt die Lernenden ins Zentrum und beschreibt entlang von drei Handlungsfeldern verschiedene Ansatzpunkte für Ausbildungsbetriebe.

Unter Nachhaltigkeit wird hier ein umfassendes Konstrukt verstanden, das sowohl ökonomische, ökologische und soziale Dimensionen, als auch die Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Generationen umfasst. Bei der Etablierung von Nachhaltigkeitszielen kommt der Aus- und Weiterbildung als Bindeglied zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und der Gesellschaft eine zentrale Stellung zu. Wichtige Voraussetzungen sind die Bereitschaft des Betriebes und des Ausbildungspersonals sowie ein dahinter liegendes auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Ausbildungskonzept. So können junge Menschen, die im Rahmen ihrer Ausbildung entsprechende Kompetenzen erwerben, einen Beitrag zur Entwicklung ihres Ausbildungsbetriebes in Richtung Nachhaltigkeit leisten. Sie bringen neue Ideen mit, die – in der Praxis umgesetzt – den Betrieb entlang der genannten Dimensionen verändern. Davon profitiert am Ende auch das Unternehmen, das besser auf sich verändernde Marktbedingungen und Kundenwünsche reagieren kann.    

Das vom f-bb entwickelte Modell zur Gestaltung nachhaltiger Lernorte nimmt drei Handlungsfelder in den Fokus und benennt dazugehörige Gestaltungsansätze. Im ersten Handlungsfeld Betrieb (dem sog. Meta-Lernort) kommt vor allem dem betrieblichen Bildungsmanagement eine große Bedeutung zu. Auf dieser Ebene werden von der Betriebsführung wichtige Voraussetzungen für eine nachhaltige Lernumgebung geschaffen. Geschäftsführung und Personalabteilung können beispielsweise ein entsprechendes lernbezogenes Leitbild oder eine förderliche betriebliche Lernkultur unterstützen. Die Betriebsleitung kann ihre Nachhaltigkeitsabsichten auch mit Hilfe von Bildungs- und Qualifikationszielen fördern. Lernangebote in umweltgerechter Entsorgung oder ressourcenschonendem Handeln wären zwei Beispiele. Daneben stehen der Leitung Instrumente im operativen Bereich wie Kompetenz- und Bedarfsanalysen zur Verfügung. Diese sind vor allem dann sinnvoll, wenn die ermittelten Bedarfe anschließend mit Hilfe von Qualifizierungsprogrammen gedeckt werden sollen.

Ein zweites  Handlungsfeld ist die Betriebliche Lernumgebung. Sie beinhaltet die räumlichen, situationellen, materiellen und medialen Bedingungen des Lernkontextes (z.B. Lernwerkstatt) und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten (z.B. Arbeitsplatz). Davon zu unterscheiden ist das Lernsetting, also der Rahmen, in dem das Lernen stattfindet. Die Gestaltung dieses dritten Handlungsfelds sollte sich an authentischen Arbeitssituationen orientieren und diese in ihrer Komplexität abbilden. Dazu gehören vollständige Handlungen, die Berücksichtigung verschiedener Kompetenzdimensionen und soziale Interaktionen. Es müssen dabei auch die Auswirkungen beruflicher Entscheidungen auf sich selbst, andere (lokal, regional und global) und zukünftige Generationen simuliert und diskutiert werden. Im günstigsten Fall wird damit ein Reflexionsprozess ausgelöst, der Auswirkungen auf das gesamte Berufsleben hat.

Ein Betrieb wird nicht über Nacht zum nachhaltigen Lernort. Schon gar nicht wird die Entwicklung mit der Integration von Nachhaltigkeitszielen als Bildungsinhalt in der Aus- und Weiterbildung abgeschlossen sein. Notwendig ist vielmehr eine stärkere Verankerung des Leitgedanken der Nachhaltigkeit in der betrieblichen Bildung und Personalentwicklung.

Seit 2016 begleitet das f-bb mehrere bundesweit agierende Modellversuche bei der Entwicklung nachhaltiger Lernorte in der beruflichen Bildung. Das Vorhaben wird im Rahmen des Modellversuchsschwerpunkts „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019“ des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

  Heiko Weber

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