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Sozialpartnerschaft stärkt Demokratie und Gesundheit im Betrieb

Modellprojekte der ESF Sozialpartnerrichtlinie zeigen: Mitbestimmung und gemeinsame Verantwortung verändern den Arbeitsalltag

Demokratie ist kein abstraktes Konzept, sondern wird dort erfahrbar, wo Menschen ihren Arbeitsalltag gemeinsam gestalten. Das bundesweite Modellprojekt „Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt im Betrieb“, umgesetzt von der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V. (EAF) und begleitet von der Regiestelle „Wandel der Arbeit“ – einer Arbeitsgemeinschaft des f-bb und des Bundesarbeitskreises Arbeit und Leben e.V. –, setzt genau hier an: Der Betrieb wird als Lern- und Erfahrungsraum für demokratische Kompetenzen verstanden. Ziel ist es, demokratische Werte wie Beteiligung, Fairness und gegenseitigen Respekt nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern und so die Demokratiekompetenz von Beschäftigten zu stärken.

„Demokratie beginnt im Kleinen – dort, wo Beschäftigte mitgestalten, Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihre Perspektiven gehört werden", betont die Projektleiterin Tina Weber von der EAF Berlin. „Der Betrieb ist ein zentraler Ort, um genau diese Erfahrungen zu ermöglichen und demokratische Handlungskompetenzen zu stärken", ergänzt die Projektkoordinatorin Hanna Völkle.

Gleichstellung und Vielfalt zusammendenken

Im Projekt werden Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt nicht isoliert betrachtet, sondern als eng miteinander verbundene Voraussetzungen für eine demokratische Unternehmenskultur. Demokratische Beteiligung ermöglicht Teilhabe, Gleichstellung schafft faire Zugänge zu Entscheidungsprozessen, und Vielfalt erweitert Perspektiven innerhalb betrieblicher Aushandlungsprozesse. In praxisnahen Modulen bearbeiten die teilnehmenden Unternehmen u. a. Themen wie Haltung, kollegiales Miteinander und werteorientierte Führung. Beschäftigte unterschiedlicher Hierarchieebenen wirken aktiv mit und entwickeln gemeinsam Lösungen für ihren betrieblichen Kontext.

Nachhaltige Stärkung demokratischer Handlungskompetenzen

Durch Qualifizierungen, betriebliche Modellprojekte und den Austausch mit weiteren Unternehmen und Sozialpartnern werden demokratische Prozesse nicht nur reflektiert, sondern konkret erprobt. Manche der teilnehmenden Betriebe planen zum Beispiel betriebseigene Demokratie-Aktionstage oder erarbeiteten konkrete Argumentationshilfen gegen (rechts-)populistische Parolen. Die im Betrieb gemachten Erfahrungen wirken dabei über den Arbeitsplatz hinaus. Wer Beteiligung, Mitsprache und respektvollen Umgang im Arbeitskontext erlebt, überträgt diese Haltung auch in andere gesellschaftliche Bereiche. Der sozialpartnerschaftliche Ansatz spielt dabei eine zentrale Rolle: Neben der IG Metall und Verdi sind auch regionalspezifische Unternehmensverbände in das Vorhaben eingebunden, um Projekterkenntnisse zukünftig auch branchenübergreifend sichtbar zu machen.

Betriebliche Partizipation als Schlüssel nachhaltiger Gesundheitsförderung

Besonders der Zugang und die aktive Einbindung der Bundes- und Landesinnungen als Sozialpartner spielt auch in den Projekten von Basiknet Gesellschaft für Arbeitsschutz mbH eine zentrale Rolle. Gesundheit und Arbeitssicherheit im Handwerk sind eng mit der konkreten Ausgestaltung betrieblicher Arbeitsprozesse verbunden. Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt „Gemeinsam für gesundes Arbeiten im Handwerk“ von Basiknet an, um gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben systematisch zu etablieren.

Projektumsetzung mit beteiligungsorientiertem Fokus

Das Projekt qualifiziert bundesweit Beschäftigte, Führungskräfte und betriebliche Interessenvertretungen in den Gewerken Gerüstbau, Dachdecker‑ sowie Maler‑ und Lackiererhandwerk für sicheres und gesundes Arbeiten. Methodisch basiert der Ansatz auf einem dreistufigen Verfahren aus Bestandsaufnahme, gemeinsamer Maßnahmenplanung und begleiteter Umsetzung. Zentrale Instrumente sind dabei unter anderem Betriebsbegehungen, anonyme Beschäftigtenbefragungen sowie moderierte Ideen‑ und Strategie-Workshops. Diese Formate ermöglichen es, arbeitsbedingte Belastungen aus Sicht der Beschäftigten sichtbar zu machen und praxisnahe Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Jennifer Dräger, stellvertretende Geschäftsführerin des Gerüstbauunternehmens A. Walther aus Teltow dazu: „Im ersten Workshop sind wir systematisch unseren bestehenden Arbeits- und Gesundheitsschutz durchgegangen. Das gibt mehr Sicherheit. Interessant und wichtig fand ich das Thema psychische Gesundheit der Mitarbeiter und Kommunikation im Betrieb. Da kann sicher jeder Betrieb noch etwas verbessern.“

Besondere Bedeutung kommt der Qualifizierung sogenannter Gesundheitslotsen zu. Als innerbetriebliche Ansprechpersonen fungieren sie als Schnittstelle zwischen Belegschaft und Führungsebene und tragen dazu bei, gesundheitsbezogene Anliegen dauerhaft im Betrieb zu verankern. Die Projektleitung betont den Stellenwert der aktiven Einbindung der Beschäftigten für den Projekterfolg: „Wir wollen Gesundheitsschutz nicht verordnen, sondern gemeinsam mit den Beschäftigten gestalten. Nur wenn ihre Erfahrungen und Ideen ernsthaft einbezogen werden, entsteht ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das im Arbeitsalltag tatsächlich wirkt." (Sascha Lohmann, BASIKNET Gesellschaft für Arbeitsschutz mbH)

Die beiden Projekte verdeutlichen, wie zentral Sozialpartnerschaft für die Gestaltung zukunftsfähiger Arbeitswelten ist. Durch die aktive Einbindung von Beschäftigten, Interessensvertretungen und Verbänden entstehen tragfähige Lösungen, die sowohl demokratische Kompetenzen als auch Gesundheit nachhaltig stärken. Die Erfahrungen zeigen: Gemeinsames Handeln auf Augenhöhe ist eine wesentliche Voraussetzung für wirksame und langfristige Veränderungen im Betrieb.