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KI und die Transformation der Berufs- und Bildungsberatung

Erkenntnisse aus der Evaluation des E-KI-B-Projekts

In vielen Berufsfeldern steigt seit Jahren der Anteil an Tätigkeiten, die theoretisch von Künstlicher Intelligenz übernommen werden könnten (Grienberger et al., 2024). Gleichzeitig wächst das Potenzial, KI gezielt als Unterstützung im Arbeitsalltag einzusetzen. Bereits 2025 gab eine Mehrheit der befragten Beschäftigten in Deutschland an, generative KI als hilfreiches Tool am Arbeitsplatz zu nutzen (Arntz, 2025). Mit Blick auf die Berufs- und Bildungsberatung ist Künstliche Intelligenz daher zweifach von Bedeutung: zum einen, weil KI die Berufslandschaft in Deutschland nachhaltig verändern wird, zum anderen aber auch, weil KI für die Beratungstätigkeit selbst vielfältige neue Potenziale eröffnet, um Beratung effizienter und besser zu gestalten.

Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) evaluierte kürzlich für die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) einen KI-Prototypen, der im Projekt „Einbindung von KI in die Berufsberatung und in die Ausbildung von Beraterinnen und Beratern auf der Basis von Spracherkennung“ (E-KI-B) entwickelt wurde.

Der Prototyp hilft Beratende dabei, ihr Vorgehen stärker an den Bedürfnissen und Erwartungen der Ratsuchenden auszurichten. Zu diesem Zweck simuliert er ein Beratungsgespräch mit einer fiktiven Person. Im Rahmen der Simulation kann sich mit der ratsuchenden Person unterhalten werden (analog zu einem klassischen Beratungsgespräch), wobei man im Laufe des Gesprächs Unterstützung durch einen KI-Avatar namens „Nova“ einholen kann.

Nova analysiert z.B. im Hintergrund den bisherigen Gesprächsverlauf und schlägt auf dieser Basis Kriterien für eine Suche auf BERUFENET – dem Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit – vor, oder liefert auf Anfrage Vorschläge für weitere Fragen, wenn das Gespräch ins Stocken kommt. Die Suche auf BERUFENET selbst lässt sich im Rahmen des Prototypen auf Knopfdruck durchführen, wobei eine Auswahl vielversprechender Berufe auf dem Bildschirm präsentiert wird. Nach einer Suche auf BERUFENET erstellt Nova wiederum eine Zusammenfassung der Suchergebnisse oder schlägt auf Wunsch eine Reihe von Fragen vor, über die sich die Suchergebnisse mit den Eigenschaften der ratsuchenden Person in Einklang bringen lassen (wobei Nova auch konkrete Antwortvorschläge macht, wenn sich eine Frage auf Basis des bisherigen Gesprächsverlaufs bereits beantworten lässt).

Dabei ist Nova bewusst so konzipiert, dass sie Vorschläge macht, die von dem/der Beratenden validiert und nach eigenem Ermessen in den Gesprächsverlauf einbezogen werden können. Beispielsweise lassen sich die Suchbegriffe, die Nova auf Basis des Gesprächsverlaufs vorschlägt, manuell editieren, bevor man eine Suche nach passenden Berufen in Auftrag gibt. Auch Annahmen über die ratsuchende Person werden von Nova lediglich als Antwortvorschläge unterbreitet und nicht automatisch übernommen.

Die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit erprobte den Prototypen rund um KI-Avatar Nova u.a. in Veranstaltungen mit Beratenden, Expert*innen und Studierenden der HdBA. Auf dieser Basis wurde der Prototyp vom f-bb evaluiert. Insgesamt gingen in die Evaluation neben einer eigenständigen Erprobung des Prototypen durch das f-bb qualitative Angaben aus Fokusgruppeninterviews mit insgesamt 43 Teilnehmenden ein, sowie quantitative Angaben von insgesamt 97 befragten Personen. Im Rahmen der Evaluation konnten zahlreiche Anregungen für die Weiterentwicklung des Prototypen herausgearbeitet werden (von konkreten Design-Vorschlägen bis zu ergänzenden Funktionen).

Die Ergebnisse belegen das Potenzial des gewählten Ansatzes: Beispielsweise stimmten 86,63% der Befragten zu, dass die KI-Anwendung in ähnlicher Form ein sinnvoller Bestandteil hybrider Beratung sein könnte - ganze 92,71% gaben an, der Einsatz von KI könne Impulse für das Beratungsgespräch bieten. Große Bedenken, KI in der Beratung einzusetzen äußerte mit 20,83% Prozent nur eine Minderheit der Befragten - darunter Studierende vergleichsweise häufiger als Beratende & Expert*innen.

Ausführliche Details liefert der Bericht Evaluationsbericht zur „Einbindung von KI in die Berufsberatung und in die Ausbildung von Beraterinnen und Beratern auf der Basis von Spracherkennung (E-KI-BB)“.

Insgesamt bescheinigt die Evaluation dem Ansatz ein großes Potenzial, die Zukunft der Berufsberatung maßgeblich zu beeinflussen – ein Ansatz, bei dem KI als hilfreiches Tool konzipiert wird, nicht als automatisierter Ersatz für menschliche Beratung. Gleichzeitig trägt die Evaluation des f-bb durch zahlreiche empirisch fundierte Erkenntnisse zu Anforderungen an KI im Beratungskontext dazu bei, die Integration von KI in die Beratung von Menschen durch Menschen bestmöglich zu gestalten.