Qualitätssicherung in der Berufsbildungsforschung

Kurzbeschreibung

Berufsbildungsforschung beschreibt weniger eine eigenständige und abgrenzbare Disziplin, sondern weist vielmehr den Bereich „Beruf“ bzw. „Berufsbildung“ als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung aus, der aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven analysiert und betrachtet wird. Daher finden sich hier unterschiedliche Zugänge, Fragestellungen, Forschungstraditionen, -methoden und -standards, die auch mit einem differierenden Forschungs- und Qualitätsverständnis einhergehen. So lassen sich in der Berufsbildungsforschung unterschiedliche Forschungstypen unterscheiden:

  • Ein auf die Überprüfung von Forschungshypothesen ausgerichteter, auf Basis etablierter (Qualitäts-)Standards der empirischen Sozialforschung arbeitender Typus mit einem Forschungsverständnis, dass durch eine distanzierte Rolle des Forschers gekennzeichnet ist.
  • Ein explorativer Typus von Forschung, der auf die Generierung von Hypothesen in Forschungsfeldern abzielt, die noch wenig erschlossen sind, weshalb zunächst ergebnisoffene Erkundungen durchgeführt werden.
  • Ein gestaltender Typus von Forschung, in der Forscher nicht nur in der Rolle des kritisch analysierenden Beobachters verbleiben, sondern als Analytiker, Impulsgeber und Innovator, Moderator und Evaluator selbst Akteur und somit Teil eines Veränderungsprozesses sind.

Während für Forschungstypus 1 in der empirischen Sozialforschung etablierte Instrumente vorliegen, die aber möglicher-weise einer Adaption für die Berufsbildungsforschung bedürfen, bedarf es für die Forschungstypen 2 und 3 noch der Etablierung allgemeingültiger und anerkannter Qualitätsstandards. Der Expertenworkshop der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AG BFN) diente der Bestandsaufnahme bzw. Präzisierung und Weiterentwicklung der Qualitätsmaßstäbe und Erfolgskriterien anwendungsorientierter Berufsbildungsforschung. Der Workshop wurde vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit Unterstützung des Instituts für Wirtschaftspädagogik der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt. Der Workshop wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung.

Datum

13.09.2010 - 14.09.2010

Veranstaltungsort

Wirtschaftsuniversität Wien
Augasse 2-6
1090 Wien

Dokumentationsmaterial

Nachfolgend finden Sie die Präsentationen der Referenten zum Download:

Begrüßung
Prof. Dr. Josef Aff, Wirtschaftsuniversität Wien


Forum 1: Verhältnis von anwendungsnaher Forschung und Grundlagenforschung

Pädagogische Interventionen: Grundlagen- und Anwendungsforschung contra pädagogischer Folklore zur Fundierung pädagogischer Praxis
Prof. Dr. Detlef Leutner, Universität Duisburg-Essen

Stocks and Flows – Zur Rolle von Bestands- und Bewegungsanalysen in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Dr. Ulrich Walwei, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Unterschiedliche Forschungszugänge in der Berufsbildung - eine feindliche Koexistenz?
Prof. Dr. Dieter Euler, Universität St. Gallen


Forum 2: Methodische Fragen anwendungsnaher Berufsbildungsforschung: Handlungsforschung und Akteursbeteiligung. Entwicklungsprojekt vs. Experiment

Anwendungsnahe Bildungsforschung: Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis vs. Forschung in, mit und durch die Praxis
Prof. Dr. Fritz Böhle, Universität Augsburg/ Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V.

Wissen schaffen: What you do is what you get
Prof. Dr. Hermann G. Ebner, Universität Mannheim


Forum 3: Anwendungsnahe Berufsbildungsforschung als Wirkungs- und Implementationsforschung. Kriterien erfolgreichen Praxistransfers

Wirkungs- und Implementationsforschung im Bereich berufsbildender Schulen – Erfahrungen und Perspektiven
Prof. Dr. Martin Fischer, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Die Transferdiskussion in der Modellversuchsforschung im Spannungsfeld pluraler Interessen und Qualitätserwartungen
Dr. Andreas Diettrich, BIBB

Nutzenfokussierung – Chancen und Risiken einer neuen Arbeitsteilung zwischen Forschenden und Stakeholdern. Ein Beispiel
Prof. Dr. Wolfgang Beywl, Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz/ Univation Institut für Evaluation, Hanne Bestvater, EHB


Forum 4: Qualität von Politikberatung durch Berufsbildungsforschung

„Large Scale Assessment“ in der Berufsbildung als Instrument von Politikberatung und Qualitätssicherung
Prof. Dr. Martin Baethge, Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI)

Stärke Peer Review, Herausforderung Datenmangel: Der Beitrag der OECD zur evidenzbasierten Politikberatung
Kathrin Höckel, OECD

Qualität in der Politikberatung durch die Berufsbildungsforschung: Von wissenschaftlichen Idealen und politischen Realitäten
Dr. Jörg Markowitsch, Donau-Universität Krems/ 3s Unternehmensberatung