Anforderungen an die Gestaltung einer kompetenzorientierten Prüfungspraxis am Beispiel des fallbezogenen Fachgespräches im Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“

Projektbereich

Weiterbildung

Kurzbeschreibung

Kompetenzorientiert prüfen bedeutet im Rahmen der Berufsausbildung die Feststellung und Beurteilung, ob die als wesentlich erkannten Anforderungen eines beruflichen Handlungsfelds bewältigt werden können. Um die berufliche Handlungsfähigkeit von Auszubildenden festzustellen, werden demnach Prüfungsinstrumente benötigt, die sich an realen betrieblichen Aufträgen und Geschäftsprozessen orientieren. Solche praxisorientierten Prüfverfahren kommen bereits in vielen Ausbildungsberufen zum Einsatz, wie z.B. in der IT-Branche (z.B. „Betriebliche Projektarbeit“), in der Metall- und Elektroindustrie („Betrieblicher Auftrag“) oder der Versicherungswirtschaft („Fallbezogenes Fachgespräch“). Oftmals wird jedoch die Aussagekraft solcher Prüfverfahren in Frage gestellt, da diese – anders als schriftliche Prüfungen – keine Ergebnisse liefern, die anhand klar definierter Bewertungskriterien beurteilt werden können und damit eine geringere Vergleichbarkeit, Objektivität und Transparenz unterstellt wird. 

Die Prüfungspraxis im Berufsbild „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“ bietet ein exemplarisches Untersuchungsfeld zur Auseinandersetzung mit Gestaltungsanforderungen und Entwicklungsperspektiven an kompetenzorientierte Prüfinstrumente. Das in diesem Berufsfeld etablierte diagnostische Instrument des Fallbezogenen Fachgesprächs soll Aussagen über die Fähigkeit der Ausbildungsabsolventen zur selbstständigen Bearbeitung und Lösung komplexer Aufgaben in betrieblichen Handlungssituationen ermöglichen. Die mit diesem Instrument verbundenen gegenständlichen Entwicklungsfragen stehen beispielhaft für Entwicklungen in der aktuellen prüfungsdidaktischen Diskussion.

Zielsetzung

Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt soll untersucht werden, welche Anforderungen sich an Prüfungsinstrumente im Rahmen der Berufseignungsdiagnostik stellen, damit diese zuverlässige Aussagen über die Güte beruflicher Handlungskompetenzen ermöglichen. Dabei gilt es sowohl diagnostische (Objektivität, Reliabilität und Validität) als auch konzeptionelle Gütekriterien (z.B. Handlungsorientierung und Praxisbezug) zu berücksichtigen. Die Untersuchung wird am Beispiel der Abschlussprüfung von Auszubildenden im Berufsbild „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“ vorgenommen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes soll zunächst überprüft werden, welches Kompetenzverständnis der Abbildung der beruflichen Handlungsfähigkeit im exemplarisch betrachteten Berufsbild zugrunde liegt und welche Rolle dabei die Fähigkeit zur selbstständigen Bearbeitung komplexer Aufgaben als Teilbestand der beruflichen Handlungskompetenz spielt. Des Weiteren wird untersucht, welche Form von Operationalisierung und Graduierung beruflicher Handlungsfähigkeit nötig ist, um die Kompetenzen einem Beobachtungs- und Bewertungsprozess im Prüfungsgeschehen zugänglich zu machen. Auf Basis der Projektergebnisse sollen verallgemeinerbare Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung der Berufseignungs- bzw. Berufseinstiegsdiagnostik abgleitet werden, im Besonderen mit Blick auf beobachtungsbasierte Kompetenzfeststellungsverfahren. Daraus sich ergebende Empfehlungen sollen Ausbildungs- und Prüfungsverantwortlichen die Durchführung einer kompetenzorientierten Prüfungspraxis erleichtern.

Laufzeit

01.11.2012-30.07.2013

Veranstaltungen

Fachartikel

Frank, N.; Markert, N.: Das Fallbezogene Fachgespräch - Abbildung beruflicher Handlungsfähigkeit am Beispiel des Ausbildungsberufs "Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen". In: Wirtschaft und Berufserziehung, Heft 12. Bonn: ZIEL-Verlag 2011, S. 28-33

Kompetenzfeldzuordnung

Bildung und Demografie

Auftraggeber

  • Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V.

Kontakt

Dr. Matthias KohlTelefon: +49 911 27779-868kohl.matthias(at)f-bb.deDr. Matthias Kohl