
Dieses Projekt wird von der bfz Bildungsforschung durchgeführt.Die Bedeutung der Existenzgründung als Weg aus der Arbeitslosigkeit hat mit der Einführung der Ich-AG und der Förderung nach § 421 1 SGB III erheblich zugenommen. Die starke Nachfrage nach Überbrückungsgeld und dem Existenzgründerzuschuss für eine Ich-AG sind Ausdruck des hohen „Unemployment-Push“, der auf den Arbeitslosen lastet. Neben diesem individuellen Interesse sind erfolgreiche Existenzgründungen auch von öffentlicher Bedeutung, nicht nur hinsichtlich arbeitsmarktpolitischer, sondern insbesondere auch wirtschaftspolitischer Erwägungen. Kleineren neu gegründeten Unternehmen wird eine größere Flexibilität und Kundennähe zugeschrieben, die ihnen eine wichtige Funktion in der Volkswirtschaft zur Deckung von Marktlücken zuweist. Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Selbständigen an der erwerbstätigen Bevölkerung mit 10 % in Deutschland nach wie vor niedrig, wobei Bayern mit 13,1 % die höchste Selbständigenquote aufweist.
Diesen Hoffnungen der Betroffenen und der Gesellschaft stehen die bekannten Risiken solcher Gründungen vormals Arbeitsloser gegenüber: ihre finanzielle Situation ist meist schon vor der Gründung angespannt, möglicherweise weniger für die Selbständigkeit geeignete Personen suchen dennoch darin einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, Vorbereitung und Planung vor der Gründung sind oft nicht ausreichend, um nur einige Risikofaktoren zu benennen.
In Form einer empirischen Studie intendiert deshalb das Projekt, auf regionaler Ebene im Großraum Augsburg Bilanz zu ziehen, indem es die gegenwärtigen Erfahrungen und dabei insbesondere die Bedingungen des Scheiterns und des Erfolgs bei Klein- und Kleinstgründungen ermittelt. Geplant ist die Untersuchung bei Existenzgründern, die die Gründungsphase bereits abgeschlossen haben und daher rückblickend über den Gründungsprozess berichten können. Kontrastierend dazu werden die langjährigen Erfahrungen und Erkenntnisse der Berater und Beraterinnen des bfz Augsburg ausgewertet. Die Ergebnisse werden in Expertengesprächen einer Re-Analyse unterzogen und veröffentlicht.
Die geplante Untersuchung versteht sich als Beitrag zur Gründungsforschung, einer in Deutschland im Vergleich zu den USA relativ jungen Forschungsrichtung, die zudem durch eine geringe Interdisziplinarität gekennzeichnet ist. Sie ist als überschaubare Regionalstudie angelegt und wählt einen explorativen Zugang durch qualitative Interviews, die sowohl die Erfahrungen ehemaliger Existenzgründer als auch von Beratungspersonal einer Auswertung und Aufbereitung zuführt. Dabei sollen hemmende und förderliche Bedingungen von Existenzgründungen ermittelt werden mit dem Ziel der Generierung von Erkenntnissen zur Modifizierung und Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer Förder- und Beratungskonzepte, die den Beratungsinstitutionen zur Verfügung gestellt werden.