Durchlässigkeit der Berufsbildungssysteme im Europäischen Vergleich – am Beispiel: Verfahren der Identifizierung und Anerkennung von informell und non-formal erworbenen Lernergebnissen

Projektbereich

Internationalisierung der Berufsbildung

Kurzbeschreibung

Das Thema der „Durchlässigkeit im Berufsbildungssystem“ hat im Land Brandenburg hohe politische Priorität. Ein großer Handlungsbedarf besteht darin, die Übergänge innerhalb der Bildungsbereiche sowie an den Schnittstellen zwischen den Bildungsbereichen flexibler zu gestalten. Die Anerkennung von informell und non-formal erworbenen Lernergebnissen wird hierbei als eine Möglichkeit gesehen, die angestrebte Erhöhung der Durchlässigkeit zu erreichen. 

Ausgehend von Praktiken in anderen europäischen Ländern werden in diesem Projekt die Möglichkeiten und Hemmnisse für die Feststellung und Anerkennung informell und non-formal erworbener Lernergebnisse am Beispiel der folgenden beruflichen Übergangssituationen untersucht:

  • Ausbildungsabbrecher bzw. -umsteiger
  • Studienabbrecher bzw. -umsteiger
  • Quereinsteiger
  • Einstieg ins Studium mit beruflichen Vorerfahrungen

Aktuelle Entwicklungen auf der europäischen (EQR, ECVET) und deutschen Ebene (DQR, DECVET) sowie bereits vorhandene Anerkennungsverfahren und Pilotprojekte in den EU-Mitgliedstaaten bilden hierbei den Bezugsrahmen für die Analyse.

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, in anderen Ländern vorhandene Verfahren, Instrumente und Erfahrungen bei der Erfassung und Anerkennung informell und non-formalen Lernens zu identifizieren und sie auf die Möglichkeit der Transferierbarkeit auf das deutsche bzw. brandenburgische Bildungssystem hin zu überprüfen. Somit wird es abschließend möglich, Brandenburger Akteuren konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung bereitzustellen.


Umsetzung des Projekts:

An der Umsetzung des Projekts sind sechs Expertinnen und Experten aus Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Tschechien mit den folgenden Aufgaben und Erfahrungshintergründen beteiligt:

Brigitte-Veronique Bouquet analysierte die Fallbeispiele aus Brandenburg aus der Perspektive Frankreichs. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse wurden auf dem Workshop am 24. November 2011 im bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) diskutiert.

Brigitte-Veronique Bouquet ist in der „Commission Nationale de la Certification Professionnelle“ (CNCP) tätig. In diesem Rahmen wirkte sie bei der Erarbeitung des französischen Zertifizierungssystems für non-formales und informelles Lernen mit. Weiterhin war sie für das Monitoring der französischen Arbeitsagentur und der AFPA zuständig. Darüber hinaus berät sie die französische Regierung in Fragen zur Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens in Frankreich.


Furio Bednarz erarbeitete die Begutachtungen der Fallbeispiele aus Brandenburg für die Schweiz. Diese stellte er auf dem Workshop am 24. November 2011 im bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) vor.

Furio Bednarz ist seit 1996 in der ECAP-Stiftung tätig. Zudem ist er Präsident der italienischen Sektion des  „Schweizerischen Vereins für Weiterbildung“ (SVEB) und er sitzt im Vorstand der CH-Q Gesellschaft. Im Rahmen seiner Forschungsaktivitäten zur Analyse europäischer Aus- und Weiterbildungssysteme hat er sich auf  Verfahren zur Kompetenzfeststellung und Anerkennung spezialisiert.


Hana Cihakova erstellte für Tschechien die Case-Studys zu den Fallbeispielen aus Brandenburg, die von ihr am 15. Februar 2012 in der Fachhochschule Brandenburg vorgestellt wurden.

Hana Cihakova arbeitet seit 2002 am “National Institute of Technical and Vocational Education” (NUOV) in Prag. Hier befasst sie sich mit nationalen und europäischen Bildungspolitiken und begleitet in diesem Rahmen die nationalen Strategien zur Umsetzung der europäischen Instrumente (NQR, ECVET, APL) in Tschechien. Als Expertin forschte sie für die OECD-Aktivität „Anerkennung von non-formal und informellen Lernens“ und publizierte zahlreiche Studien zum Thema.


Heikki Suomalainen begutachtete die Fallbeispiele aus Brandenburg für das Länderbeispiel Finnland. Seine Ergebnisse präsentierte er auf dem Workshop in der IHK Potsdam am 22. September 2011.

Heikki Suomalainen war im Hauptverband der finnischen Wirtschaft und in der Union der Industrie- und Arbeitgeberverbände Europas (UNICE) tätig. In dieser Funktion war er Vorsitzender der Businesseurope Arbeitsgruppe für Berufliche Bildung, der Nationalen Kommission für Erwachsenenbildung und Mitglied des finnischen ESF-Begleitausschusses. Weiterhin war er Mitglied in der Arbeitsgruppe der EU-Kommission für ECVET und der EU-Koordinationsgruppe Berufliche Bildung. Als Senior-Experte berät Heikki Suomalainen heute zahlreiche nationale und internationale Projekte in diesem Bereich.


Ruud Duvekot führte für die Niederlande die Case-Studys zu den brandenburgischen Fallbeispielen durch und präsentierte seine Ergebnisse auf dem Workshop am 15. Februar 2012 in der Fachhochschule Brandenburg.

Ruud Duvekot war Vorsitzender der niederländischen Arbeitsgruppe zur Entwicklung einer nationalen Politik zur Validierung informell und non-formalen Lernens, deren Ergebnisse 2001 in dem Beitrag “De Fles is Half Vol!” mündeten. Im gleichen Jahr war er Mitbegründer des „Kenniscentrum EVC”. Seit 2002 ist er Vorsitzender des „European Centre for Valuation of Prior Learning” und Programmleiter für Anerkennungsverfahren an der INHOLLAND University of Applied Sciences.


Sabine Tritscher-Archan erarbeitete die Case-Studys zu den brandenburgischen Fallbeispielen aus der Perspektive Österreichs, die sie am 22. September 2011 in der IHK Potsdam vorstellte.

Sabine Tritscher-Archan ist seit 2000 am Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) in Wien tätig. Sie ist dort Projektleiterin von zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten u. a. in den Bereichen der Lehrlingsausbildung und der Arbeitsmarkt- sowie Qualifikationsforschung. Sie ist Mitglied in nationalen und europäischen Arbeitsgruppen zum EQR und ECVET sowie die Koordinatorin des CEDEFOP ReferNet Austria.

Laufzeit

01.01.2011-30.09.2012

Fachartikel

Kretschmer, S.; Schlasze, V.: Übergänge zwischen der Berufs- und Hochschulbildung gestalten. In: Weiterbildung, 6/2013. 2013, S. 22-26
Download (0,14 MB)

Schmeißer, C.: Durchlässigkeit im Europäischen Vergleich: Durch Peer-Learning zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten. In: W&B - Wirtschaft und Beruf, 03-04.2012. 2012, S. 28-36
Download (0,46 MB)

Materialien

PROJEKTBERICHT

Identifizierung und Anerkennung informellen und nicht-formalen Lernens in Europa
Eine vergleichende Studie zur Durchlässigkeit der Bildungssysteme in Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz


ALLGEMEINES INFORMATIONSMATERIAL

Fallbeispiele aus Brandenburg

In diesem Dokument finden sich Fallbeispiele aus Brandenburg, die den internationalen Experten zur Begutachtung vorgelegt wurden. Aufgabe der Experten aus Finnland, Tschechien, Österreich, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden war es Lösungsvorschläge zu unterbreiten, wie aus der Sicht ihrer Länder die in den Fallbeispielen beschriebenen Probleme gelöst werden könnten.


FINNLAND - INFORMATIONSMATERIALIEN

Finnisches Bildungsportal

Auf den Seiten des „Nationalen Finnischen Bildungsportals“ finden sich umfangreiche Informationen zum finnischen Bildungssystem, zur Berufsbildung in Finnland und zu weiteren Thematiken in diesem Feld.

Finnish National Board of Education (2008): Competence-based Qualifications, 1th January 2008.

Unter diesem Link findet sich eine alphabetische Darstellung und Beschreibung der Curricula, Inhalte, Anforderungen und Module aller Qualifikationen, welche über das finnische „System der kompetenzbasierten Prüfungen“ erlangt werden können.

Finnischer Prüfungsleitfaden (Ausschnitt) zu den kompetenzbasierten Prüfungen

In diesem Leitfaden werden die einzelnen Etappen, Prinzipien und Zuständigkeiten etc. für die Ablegung einer kompetenzbasierten Prüfung in Finnland beschrieben.

Pohjonen, Petri (2002): LERNEN AM ARBEITSPLATZIN FINNLAND, Zentralamt für Unterrichtswesen, Helsinki.

In diesem Beitrag wird zunächst ein Überblick über die berufliche (Erwachsenen-)Bildung in Finnland gegeben, um dann das Modell „Lernen am Arbeitsplatz als zentrale Lösung für Bildungsprobleme“ vorzustellen.


NIEDERLANDE - INFORMATIONSMATERIALIEN

Aalsma, E./Duvekot, R. / Sanou, L. (2007): Five steps up. A how-to guide for getting started with VPL.
Hier werden die „5 Schritte für eine erfolgreiche Umsetzung eines Validierungsverfahrens“ beschrieben.

CEDEFOP (2004): Berufsbildung in den Niederlanden. 
Diese vom CEDEFOP veröffentliche Dokumentation bietet umfassende Informationen zum Berufsbildungssystem in den Niederlanden. 

Busse, G. / Eggert, J. (2005): Kompetenzen sichtbar machen. Methoden und Instrumente zur Erfassung und Bewertung beruflicher Kompetenzen und Fertigkeiten im Vergleich.
Dieser Aufsatz vergleicht die in Deutschland und in den Niederlanden genutzten Verfahren zur Feststellung und Anerkennung von auf unterschiedlichen Wegen erworbenen Kompetenzen. Hierbei zeichnet er gleichzeitig für beide Länder die Entwicklungen von einem „Input- zu einem outputorientierten System“ nach.

Duvekot, R.C. (2005): VPL in 10 steps.
Hier werden das EVC-Prinzip und die einzelnen Verfahrensschritte beschrieben. Zur besseren Übersichtlichkeit werden sie am Ende des Artikels in einem Schema zusammengefasst.

Information APL in the Netherlands. Background information APL in the Netherlands.
Dieser Artikel informiert über die niederländische Qualifikationsstruktur, die Infrastruktur zur Umsetzung des EVC-Prinzips und über den Ablauf des Verfahrens. Im Anhang finden sich eine Kurzversion des Qualitätscodes sowie eine an die Anbieter des EVC-Verfahrens gerichtete Checkliste.

Allgemeine Information zum APL-Verfahren in den Niederlanden stellt das Kenniscentrum EVC (Dutch Knowledge Centre for accreditation of prior learning (APL)) zur Verfügung: http://evc.lerenenwerken.nl/apl-english


ÖSTERREICH - INFORMATIONSMATERIALIEN

Archan, Sabine / Schlögl, Peter (2007): Von der Lehre zur postsekundären Bildung. Eine Studie und Modelle zur Durchlässigkeit im österreichischen Ausbildungssystem, Wien.

In dieser Studie werden verschiedene Wege aufgezeigt, wie die Verbesserung der Durchlässigkeit für Lehrabsolventen in Österreich gestaltet werden könnte. Ziel der Studie war es Szenarien zu entwickeln, wie die Schnittstelle zwischen Lehre und höheren Bildungsoptionen weiter verbessert und damit die Attraktivität der dualen Ausbildung erhöht werden kann.

Bauer Dr., Fritz (2008): „DU kannst was“

In diesem Artikel werden die Idee und die Erfahrungen des oberösterreichischen Pilotprojekts zur Anerkennung informell und non-formal erworbener Kompetenzen aus der Sicht einer der Protagonisten des Projekts vorgestellt.

„DU kannst was!“ - Eine Pilotinitiave aus Oberösterreich.

In dem Projektflyer werden die Ansätze, Ziele und Verfahrensschritte des Projektes beschrieben.

Prokopp, Monika (2011): Anerkennung von non-formalem und informellem Lernen für Personen mit geringer formaler Qualifikation in Österreich. Studies in Lifelong Learning, Bd. 8. Krems Edition, Donau-Universität Krems.

In der Studie werden u. a. verschiedene Pilotprojekte aus Österreich zur Feststellung und Validierung informell und non-formalen Lernens detailliert dargestellt. Siehe dazu insbesondere die Seiten 69-121.


SCHWEIZ – INFORMATIONSMATERIALIEN

Berufsbildung in der Schweiz – Fakten und Zahlen
In dem Dokument wird das Berufsbildungssystem der Schweiz kurz und anschaulich erläutert.

Die Höhere Berufsbildung in der Schweiz – Fakten und Zahlen
In diesem Übersichtsdokument werden die einzelnen Bildungswege zur Erlangung höherer, beruflicher Abschlüsse beschrieben.

Entwurf des "Bundesgesetz über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich"
Hier finden sich die rechtlichen Grundlagen für die Hochschulbildung der Schweiz.

Übersicht über das Hochschulsystem der Schweiz
Hier wird das Hochschulsystem der Schweiz schematisch dargestellt.

Validierung von Bildungsleistungen – Leitfaden
In diesem Leitfaden werden die Richtlinien, die Akteure und Zuständigkeiten sowie der Ablauf des Validierungsverfahrens in der Schweiz beschrieben.


TSCHECHIEN - INFORMATIONSMATERIALIEN

CEDEFOP (2009): Blickpunkt Berufsbildung
Diese informative Broschüre gibt einen kurzen Überblick über das Berufsbildungssystem in Tschechien.

Informationen zur Anerkennung von Vorerfahrungen für Schul- oder Berufsabschlüsse stellt die National Institution of Technical and Vocational Education (NUOV) in Prag zur Verfügung: www.nuov.cz/nsk2/legal-framework

OECD (2007): OECD Activity on Recognition of non-formal and informal Learning.
In diesem Bericht werden die derzeitigen Ansätze zur Feststellung und Anerkennung informell und non-formalen Lernens in Tschechien umfassend untersucht.

Kompetenzfeldzuordnung

Europäisierung der Berufsbildung

Partner

  • Agentur für Arbeit Neuruppin
  • bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg e.V.
    bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg e.V.
  • Fachhochschule Brandenburg
  • Industrie- und Handelskammer Potsdam
  • Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (UVB)
    Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (UVB)

Förderung

  • Gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg
    Gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg
  • Europäischer Sozialfonds (ESF) - Investition in Ihre Zukunft
    Europäischer Sozialfonds (ESF) - Investition in Ihre Zukunft

Kontakt

Susanne KretschmerTelefon: +49 30 4174986-20kretschmer.susanne(at)f-bb.deSusanne Kretschmer

Sylvia KestnerTelefon: +49 30 4174986-47kestner.sylvia(at)f-bb.deSylvia Kestner
Veronika SchlaszeTelefon: +49 30 4174986-22schlasze.veronika(at)f-bb.deVeronika Schlasze