Ausbildungsorientierte Alphabetisierung - Ungenutzte Potenziale zur Fachkräftesicherung erschließen

Projektbereich

Ausbildung und Bildungsplanung

Kurzbeschreibung

7,5 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren können nicht ausreichend lesen und schreiben. Zu diesem Ergebnis kam die Level-One Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2011. Verschärft wird diese Problemlage durch den hohen Anteil Jugendlicher, die jährlich die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Viele von ihnen mit unzureichenden Schriftsprachkenntnissen.

Ohne schriftsprachliche Basisqualifikationen bleibt für Jugendliche und junge Erwachsene trotz Fachkräftemangel der Zugang zu einer Berufsausbildung erschwert. Oft münden diese Jugendlichen nach Beendigung ihrer allgemeinbildenden Schulzeit in die Erwerbslosigkeit oder durchlaufen unterschiedliche Bildungsangebote im Übergang Schule-Beruf, ohne gezielte Förderung ihrer Schriftsprachdefizite.

Bisher wird in Bildungsangeboten, die auf berufliche Qualifizierung ausgerichtet sind, kaum auf die Lernvoraussetzungen jugendlicher funktionaler Analphabeten eingegangen. Ein Grund liegt darin, dass das betriebliche und außerbetriebliche Bildungspersonal nur wenige Möglichkeiten hat, funktionalen Analphabetismus bei Jugendlichen zu diagnostizieren. Zudem stehen keine ausdifferenzierten Förderkonzepte zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund entwickelt das f-bb gemeinsam mit Experten aus der Bildungspraxis, der Wissenschaft und aus Betrieben

  • ein förderdiagnostisches Instrument, um Schriftsprachdefizite bei Jugendlichen zu erkennen.
  • ein Förderkonzept, bestehend aus Arbeitsmaterialien und Handreichungen, um betriebliches und außerbetriebliches Bildungspersonal darin zu unterstützen, Jugendliche mit Schriftsprachdefiziten ganzheitlich zu fördern.
  • ein Konzept zur Qualifizierung betrieblichen und außerbetrieblichen Bildungspersonals hinsichtlich der Besonderheiten funktionaler Analphabeten, heterogener Lerngruppen sowie dem Einsatz von Diagnoseverfahren und Förderkonzepten.

Die Instrumente, Materialien und Konzepte werden in Bildungsangeboten, in denen betriebliche Praxisphasen Bestandteil des Angebots sind, modellhaft erprobt.

Das Vorhaben wird im Rahmen des Modellversuchsschwerpunkts "Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung" durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) koordiniert und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Zielsetzung

Ohne Schriftsprachförderung gelingt jugendlichen funktionalen Analphabeten  kaum eine Integration in das Ausbildungssystem. Daraus ergeben sich arbeitsmarktpolitische Problemlagen: Mangels Perspektiven steigt das Arbeitslosigkeits- und Armutsrisiko der Jugendlichen und verursacht unter Umständen hohe volkswirtschaftliche Kosten. Parallel dazu stehen viele Betriebe vor großen Herausforderungen bei der Sicherung ihres zukünftigen Fachkräftebedarfs. Die Qualifizierung Jugendlicher mit Schriftsprachdefiziten wäre ein Schritt, dem entgegenzuwirken.

Aus diesem Grund soll betriebliches und außerbetriebliches Bildungspersonal durch den Handlungsansatz des Modellversuchs für diejenigen Jugendlichen sensibilisiert werden, die unterschiedlich ausgeprägte Schwächen in ausbildungsrelevanten schriftsprachlichen Kompetenzen besitzen. Zur Unterstützung der Bildungsakteure werden praktikable Förderinstrumente und -konzepte entwickelt, deren Implementierung in bestehende Bildungsangebote durch Qualifizierungsworkshops sichergestellt werden soll.

Laufzeit

01.04.2011-30.04.2014

Veranstaltungen

Publikationen

Fachartikel

Freiling, T.; Krings, U.: Ausbildungsorientierte Alphabetisierung - Heterogenität braucht Variabilität. In: Westhoff G., Ernst H. (Hrsg.): Heterogenität und Vielfalt in der beruflichen Bildung - Konzepte, Handlungsansätze und Instrumente aus der Modellversuchsforschung. W. Bertelsmann Verlag 2016, S. 266-277

Krings, U.; Westhoff, G.: Ausbildungsorientierte Alphabetisierung - Eine innovative Strategie für den Umgang mit Vielfalt und Heterogenität in der beruflichen Bildung. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 2/2015. 2015, S. 34-35

Schneider, M.: Ausbildungsorientierte Alphabetisierung. In: Cramer, G., Deitl, S. F., Schmidt, H., Wittwer, W. (Hrsg.): Ausbilder-Handbuch, Aktualisierungslieferung Nr. 161. Wolters Kluwer 2014, S. 1-26

Freiling, T.; Krings, U.: Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung – Alphabetisierung und Fachkräftebedarf. In: v. Fischell, M.; Schmidt, C. (Hrsg.): bwp@ Spezial 6 – Hochschultage Berufliche Bildung 2013, Workshop 11. 2013, S. 1-16
Link

Rothe, K.: Ganzheitliche arbeitsorientierte Förderung Erwachsener mit unzureichenden Schriftsprachkompetenzen - Erfahrungen aus einem Qualifizierungsprojekt. In: Ulmer P.; Weiß R.; Zöller A. (Hrsg.): Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz - Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn, 11. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag. 2012, S. 203-216

Rothe, K.: Ausbildungsorientierte Alphabetisierung - Ein Modellversuch zur Erschließung ungenutzten Potenzials zur Fachkräftesicherung. In: berufsbildung, Heft 131. Paderborn: Eusl-Verlagsgesellschaft mbH 2011, S. 34-36

Rothe, K.: Jeder Jugendliche besitzt Potenziale, die es zu identifizieren und weiter zu entwickeln gilt. In: Wirtschaft und Berufserziehung, Heft 10. Augsburg: ZIEL-Verlag 2011, S. 27-29

Projektflyer

Projektflyer (0,51 MB)

Materialien

Infoblatt 2/2012

Förderkonzept „Ausbildungsorientierte Alphabetisierung“ - Das Förderkonzept richtet sich an betriebliche Ausbilder und pädagogische Fachkräfte in Maßnahmen am Übergang Schule-Beruf. Es bietet Handlungshilfen für das Erkennen von funktionalem Analphabetismus und für die Förderung der Betroffenen und umfasst die vier Bereiche: (1) Erkennen von Schriftsprachdefiziten bei Jugendlichen, (2) Handreichung zu methodisch-didaktischen Ansätzen, (3) Handreichung zur Ausgestaltung betrieblicher Praxisphasen, (4) Arbeitsmaterialien zur Förderung von Jugendlichen mit Schriftsprachdefiziten.

Kompetenzfeldzuordnung

Berufliche Integration

Wissenschaftliche Begleitung

  • SALSS – Sozialwissenschaftliche Forschungsgruppe GmbH, Bonn und Berlin, Peter Jablonka
  • Institut für Berufs- und Betriebspädagogik der Otto-von-Guericke Universität, Magdeburg, Prof. Dr. Klaus Jenewein
  • isob – Institut für sozialwissenschaftliche Beratung GmbH, Regensburg, Gabriele Marchl

Förderung

  • Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
    Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Auftraggeber

  • Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
  • Modellversuchsschwerpunkt "Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung"
    Modellversuchsschwerpunkt "Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung"

Kontakt

Ursula KringsTelefon: +49 911 27779-25ursula.krings(at)f-bb.deUrsula Krings